Walter Schembs

Unterwegs nach Babylon

Engel, Turm, Figur und Tier

Holz-, Bronzeskulpturen und Reliefs

Ausstellungsdauer:

12. April 2026 - 30. Mai 2026

Öffnungszeiten:

DO + FR 14:30 - 19 Uhr, SA 10 - 14 Uhr

 

Kabinettausstellung:

Der heißeste Krater seiner Zeit

Ludwig Meidner zum 60. Todestag

Ölbilder, Zeichnungen, Druckgrafik

    Unter dem Titel „Unterwegs nach Babylon“ zeigen wir aktuelle Arbeiten in Holz und Bronze, Stelen, Figuren, Köpfe, Engel und großformatige Reliefs zum Thema Babylon, Kopf und Porträt von Walter Schembs. Die Legende erzählt (und es ist nicht nur eine Legende!), dass der mit Holz vertraute Künstler bereits mit seiner ersten Skulptur die Bildidee gefunden hat, die fortan sein künstlerisches Leben bis heute begleitet: die aufragende Figur als Stele, den Blick ans Firmament geheftet, zum Himmel, zum Horizont, gleichsam die Anbindung nach Oben suchend und findend! Viele Bildmotive folgten, Sitzende als „Stuhlmenschen“, ins Buch vertiefte „Lesende“, Engelsfiguren, Paare und immer wieder im „Ross und Reiter“ der Verbindung von Mensch und Tier nachspürend!

     

    Die Skulpturen, die ursprünglich immer in Holz gearbeitet sind, überführt der Künstler in das, auch für draußen zu platzierende und dort überdauernde, Material der Bronze! Die Figuren von Walter Schembs sind kraftvoll und in ihrer Präsenz selbstbewusst und bodenständig! Er ist, und wird es bleiben, ein Bildhauer des figürlichen, der durch Material und Fundstück seine Skulpturen als Zeichen inszeniert und stilistisch abstrahiert.

     

    Neu im Werk von Walter Schembs ist die Bildgattung des Reliefs! Große, eindrucksvolle Köpfe und Porträts. Eben entstanden sind mehrteilige, großformatige Reliefplatten zum Thema Babel und zur Sprachverwirrung. Es ist seine Auseinandersetzung mit dem Mythos und der Weltgeschichte des Menschen. Die vor 4000 Jahren entstandene, am Euphrat gelegene Stadt Babylon, war geprägt von Reichtum und kultureller Vielfalt, was im religiösen Kontext umschlug in moralische Verderbtheit, Chaos, Sündenpfuhl und Untergang.

     

    Den realen Untergangen einer Welt, unserer modernen Welt, erlebte der Maler, Zeichner und Schriftsteller Ludwig Meidner unmittelbar im Ersten und Zweiten Weltkrieg. In einer Kabinettausstellung zeigen wir zeitgleich zu den Arbeiten von Walter Schembs, vom 12. April bis 30. Mai 2026, Ölbilder, Zeichnungen und druckgrafische Blätter von Ludwig Meidner. Mit der Ausstellung erinnern wir an den großen Expressionisten, dessen Werk Claus K. Netuschil seit vielen Jahrzehnten konsequent sammelt und ausstellt! Kennt man sein Werk oder einzelne Bilder, erkennt man sofort seine hohe Bedeutung und den wichtigen und zentralen kunstgeschichtlichen Beitrag Meidners zur Kunst des 20. Jahrhunderts. Seine visionäre Kunst, die in seismografischer Voraussicht den Aufbruch unserer Zeit mit ihren Zivilisationsängsten und -gefahren und die Schrecknisse des Ersten und Zweiten Weltkrieges ahnte, bezieht seine Kraft und Stärke aus einem tief empfundenen gläubigen Judentum.

     

    Den Weltzusammenbruch gestaltete Meidner künstlerisch in seinen apokalyptischen Landschaften, stürzenden Straßen und ver-rückten Menschenansammlungen in Cafés oder bei Demonstrationen auf der Straße, die damals wie heute auf der Tagesordnung standen. Meidner gehöre ebenso zu den wichtigsten Porträtisten seiner Epoche. Nachdem er sich, gehetzt, visionär und eruptiv, die Großstadt- und Menschheitsvisionen malend vom Leibe schrie, fand er Anfang der 20er Jahre als gläubiger Jude zu seiner Religion, wurde still und malte Propheten und Heilige! Meidner gehörte neben Ingres, Menzel und Schiele zu den größten Zeichnern, die das 19. und 20. Jahrhundert hervorbrachte.

     

    Ludwig Meidner wurde am 18. April 1884 in Bernstein / Schlesien geboren. 1903/05 studierte er an der Königlichen Kunstschule in Breslau Malerei und ging danach bis 1906 als Modezeichner nach Berlin. 1906/07 studierte er an der Akademie Julian und Cormon in Paris. Er freundete sich mit Amadeo Modigliani an und gründete 1912 zusammen mit Richard Janthur und Jakob Steinhardt den Malerclub „Die Pathetiker“. 1914 lebte er mit seinem Dichterfreund Lotz in Dresden.

     

    Meidner lernte fast alle wichtigen Künstler, Dichter und Verleger seiner Zeit kennen und porträtierte sie. Während des Kriegsdienstes im Ersten Weltkrieg war er auch literarisch tätig. 1924/25 war Meidner Lehrer an den Studienateliers in Charlottenburg. 1927 heiratete er seine Schülerin Else Meyer. Im Dritten Reich wurde er als „entarteter Künstler“ gebrandmarkt. Nach einer Lehrtätigkeit an einer jüdischen Schule in Köln emigrierte er 1939 nach England. 1952 kehrte er nach Deutschland zurück. Nach Stationen in Hamburg, Bonn und Frankfurt, lebte er zunächst im Taunus und zuletzt in Darmstadt, wo er 1966 starb.